Sonntag, 2. Mai 2021

„I am Elektra“

Titel: I am Elektra
Autor: Christian Handel
Verlag: ueberreuter

"Die furiose Fortsetzung des Near-Future-Thrillers "Becoming Elektra".

Inhalt:

Elektra Hamilton erwacht mit dem schlimmsten Hangover, dass sie sich vorstellen kann. Auf welcher Party war sie am vorherigen Abend? Und wieso fühlt sie sich als wäre sie ein anderer Mensch oder zumindest nicht mehr in ihrem eigenen Körper? Schnell muss sie feststellen, dass sie tatsächlich nicht mehr in ihrem Körper steckt, sondern in dem ihres Klons Kelsey. Aber als würde das nicht reichen hat ihr anderer Klon Isabel auch noch ihr Leben übernommen. Und diese dauerhaften Kopfschmerzen quälen Elektra dauerhaft.


Meine Meinung:

„I am Elektra“ war für mich eine sehr willkommene Neuerscheinung in diesem Jahr. Schon 2019 war „Becoming Elektra“ ein unerwartetes Highlight zum Jahresabschluss. Aber auch ein Buch, dass als Einzelband ausgelegt, mit vielen offenen Fragen geendet hat. Umso begeisterter war ich dann natürlich als ich die Ankündigung von Teil zwei gesehen habe, der die Geschichte von Elektra, Isabel und Kelsey fortgesetzt. Dieses Mal aus Sicht von Elektra. Oder vielleicht doch nicht Elektra? 

!Kleiner Spoiler!

Erster Plottwist: Elektra muss sich einen Körper mit dem Geist ihres Klons teilen. Das wird schon sehr schnell im Buch deutlich und stellt das größte Problem dar. Die beiden kommen nicht miteinander aus und auch der Körper leidet deutlich unter der Überlastung. Der Begriff "Innere Stimme" und "Innerer Konflikt" bekommt da gleich eine neue Bedeutung. Wie muss es sein, in seinem eigenen Kopf nicht mehr alleine zu sein? Die zwei jungen Frauen erleben genau das. Hinzu kommt ihre komplette Gegensätzlichkeit, ihre unterschiedliche Ansicht zu dem Klon-Programm, welches von Elektras Vater ins Leben gerufen wurde und die Frage - Sind Klone echte Menschen? 

Vor allem in Bezug auf das Konzept des Klonprogrammes wirft das Buch von Christian wieder viele ethische Fragen in den Raum, die die Figuren allerdings leider wenig direkt diskutieren. Hier hätte ich mir etwas mehr gewünscht, vor allem, da genau dieser Konflikt zentral für die Geschichte ist.

So gilt es gleich zwei Missionen zu bestreiten - eine Lösung für Elektra und Kelsey muss her und was wird aus dem Klonprogramm? Die verschiedenen Seiten kämpfen für verschiedene Dinge, müssen sich aber schließlich zusammen tun, um zu einem Ergebnis zu kommen. 

Leider verliert das Buch etwas seinen Fokus, da zu viel auf einmal passiert. Wieder darauf ausgelegt keine Fortsetzung zu haben wird auf den letzten Metern im Buch so viel „gelöst“, dass es einfach zu schnell für meinen Geschmack geht. Am Ende stehe ich mit mindestens genauso vielen neuen Fragen da, wie schon am Ende von Band eins. Und auch der Behauptung, man müsse Band eins nicht lesen, um Band zwei zu verstehen, muss ich widersprechen. Ohne Teil eins ist die Geschichte hochgradig verwirrend und ohne den Recap von Teil eins, den man am Ende des Buches lesen kann, schwer nachvollziehbar.

Ich bin also sehr zwiegespalten in meinem Urteil über dieses Buch, denn der Schreibstil von Christian war toll und mitreißend wie immer. Die Geschichte ist spannend, vielschichtig und wirft viele ethisch moralisch interessante Fragen auf. Allerdings ist es einfach zu viel für ein Buch und man hätte der Geschichte mehr Möglichkeiten bieten können, wenn man ihr mehr Raum gegeben hätte. Einige Figuren hätten es verdient mehr Zeit zu bekommen, damit man ihre Charakter Entwicklung besser nachvollziehen kann, denn die Entwicklungen sind wirklich toll. Vor allem die Epiloge kürzen dann aber viel Inhalt auf wenige Seiten, von dem ich mir erhofft hätte noch ausführlicher zu lesen.

Das sehe ich aber bei allen Büchern, die ich bisher von Christian gelesen habe. Es ist wohl einfach sein Stil eine Geschichte spannend und mitreißend zu erzählen, einen aber am Ende mit einigen Fragen zurück zu lassen. Man bekommt dadurch die Chance mehr eigene Fantasie in die Geschichte einzubringen, gleichzeitig wünsche ich mir etwas mehr Auflösung, da gerade dort aus meiner Sicht Potential verschenkt wird. 

Trotzdem war "I am Elektra" ein großer Lesespaß und ein großartiges Near-Future-Buch, auch wenn mir ein weniger der "Thriller" Faktor fern geblieben ist und ich das Buch eher unter Jugendroman einordnen würde.

Bewertung: ♥♥♥

Vielen Dank an dieser Stelle an lovelybooks.de, die mir das Buch im Rahmen einer Leserunde zur Verfügung gestellt haben. Der Austausch mit den anderen Leser*innen und dem Autor war sehr bereichernd!

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